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Europäische Journalisten-Föderation

EJF-MITGLIEDERVERSAMMLUNG

 Moskau, 21.-22. November 2014

  EDITORIAL 
EJF-Mitgliederversammlung: Einheit und Dialog

Die Europäische Journalisten-Föderation (EJF) hat in den letzten Jahren signifikante Schritte unternommen, um die Organisation zukunftstauglich zu machen. Unser Ehrgeiz ist es, eine Schlüsselstellung in der europäischen Medienpolitik einzunehmen sowie uns für soziale und arbeitsrechtliche Themen im Mediensektor für Journalisten und den Journalismus in Europa einzusetzen.
 
Bei unserer diesjährigen Mitgliederversammlung (Annual Meeting) in Moskau am 21. und 22. November sind wir mit großer Einigkeit aufgetreten; es ist uns gelungen, einen engagierten und respektvollen Dialog zwischen teilnehmenden und nicht-teilnehmenden EJF-Mitgliedsverbänden zu fördern.
 
Im Fokus stand in diesem Jahr die Krise in der Ukraine, die zugleich das Verhältnis unter den EJF-Mitgliedsverbänden und auf der Mitgliederversammlung geprägt hat. Niemand von uns hätte vor einem Jahr die aktuellen dramatischen Entwicklungen vorausgesagt; damals trafen wir uns in Kiew zu einer Konferenz, bei der Stärkung und Organisationsaufbau von Journalistengewerkschaften sowie Tariffragen auf der Agenda standen. Was wir heute erleben, gehört zu den finstersten Zeitabschnitten für den Journalismus in Europa: acht getöte Journalisten und über 200 Journalisten, die gewaltsam angegriffen wurden.
 
Nicht nur in der Ukraine, auch in Russland und in einigen anderen europäischen Ländern steht der Kampf gegen die Straffreiheit (nach Angriffen auf Medienvertretern) ganz oben auf der Tagesordnung. Jüngst habe ich an einem Arbeitstreffen verschiedener UN-Organisationen in Straßburg teilgenommen, bei dem Fragen der Sicherheit für Journalisten und die Kampagne im Kampf gegen die Straffreiheit diskutiert wurden. Auch die UNESCO hat sich verstärkt dieser Themen angenommen. Bei einem weiteren Treffen in der letzten Woche mit dem ersten Vize-Präsidenten der Europäischen Kommission, Frans Timmermans, haben wir unsere Besorgnis über den Zustand der europäischen Medienfreiheit zum Ausdruck gebracht. Wir werden unser Bemühungen fortsetzen und den EU-Behörden weiterhin starke Signale senden, um auf ein Ende der Straffreiheit bei Übergriffen auf Journalisten hinzuwirken.
 
Während zwischenstaatliche und Regierungsorganisationen ihre Rolle bei der Bewahrung der Medienfreiheit spielen müssen, ist es die Pflicht der EJF, die Medienfreiheit, die Sicherheit von Journalisten und den Medienpluralismus als Säulen der Demokratie in Europa aufrechtzuerhalten. Um das zu erreichen, müssen wir in Einigkeit zusammenstehen und arbeiten. Die diesjährige Mitgliederversammlung hat gezeigt, dass dies möglich ist – zusammen werden wir einen Unterschied bewirken.

 
EFJ-Präsident
Mogens Blicher Bjerregård

Neuigkeiten von der Mitgliederversammlung

Genau 53 Delegierte aus 26 Ländern haben als Vertreter von Journalistenorganisationen und Medienberufsverbänden an der diesjährigen Mitgliederversammlung Ende November in Moskau teilgenommen. Gastgeber des Treffens war die Russische Journalistengewerkschaft (RUJ).
 
Die Versammlung war von einem Geist der Einheit und des Dialoges geprägt. Sie begann mit einer Schweigeminute, mit der an die 56 Journalistinnen und Journalisten erinnert wurde, die in Russland seit 1993 bei der Ausübung ihres Berufes getötet worden sind.
 
Die OSZE-Medienbeauftragte Dunja Mijatović betonte in ihrer Eröffnungsrede die Notwendigkeit, Journalisten zu schützen und bekräftigte ihre Unterstützung für einen ethischen Journalismus – insbesondere in Krisenzeiten.
 
Einstimmig beschlossen die Teilnehmer der Jahresversammlung  zahlreiche Anträge, darunter auch einen, der auf die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsverbänden in Russland und der Ukraine abzielt. Wichtige Aspekte dieser Kooperation sind Sicherheitsfragen sowie die Förderung der Solidarität mit dem russischen Mitgliedsverband.
 
Am Abend des 20. November gab es eine Diskussionsveranstaltung, die sich den Fragen von Gender und Medien, der Sicherheit von Journalisten und dem Nachwuchs für die Gewerkschaftsbewegung widmete. Damit wurden nur einige der zahlreichen Herausforderungen für die Medienlandschaft im heutigen Russland herausgestellt; zugleich erörterten die Teilnehmer die Frage, wie Akteure der Zivilgesellschaft zu einer Verbesserung der Situation betragen könnten.

EJF verabschiedet Resolutionen 
 



Die EJF-Mitgliederversammlung am 21. und 22. November 2014 in Moskau traf Beschlüsse zu achtzehn Anträgen zu folgenden Themen:
  • Wirtschaftskrise, Arbeitsrecht, Gender
  • Ethik im Journalismus, Pressefreiheit und Sicherheit
  • EU-Lobbying
Einstimmig wurde ein Antrag beschlossen, der auf die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den ukrainischen und russischen Mitgliedsverbänden abzielt, die Sicherheit von Journalisten in der Region und die Solidarität mit dem russischen Mitgliedsverband fördern will.
 
Ein Dokument mit allen Beschlüssen steht auf Englisch und Französisch zum Download bereit.
 
Außerdem gab die Mitgliederversammlung gemeinsame Erklärungen ab, mit der die Solidarität mit Journalistinnen und Journalisten in Griechenland, Frankreich, Palästina und den Philippinen bekräftigt wurde. (Alle Erklärungen auf Englisch und Französisch im Internet.)

EJF-Mission in die Ukraine



 
Vom 6. bis 8. November hat die EJF eine Mission in die Ukraine unternommen, um sich vor Ort ein besseres Bild von der Situation der Journalistinnen und  Journalisten zu machen, die aus Konfliktgebieten berichten. Yannis Kotsifos, Mitglied im EJF-Vorstand (Steering Committee) und IJF Projektdirektor Oliver Money-Kyrle  besuchten dabei die ukrainischen Mitgliedsverbände NUJU und IMTUU in Kiew, um die Herausforderungen zu verstehen, denen sich die beiden Verbände gegenübersehen, wenn sie Journalisten schützen wollen.
 
Kotsifos verfasste einen Bericht, der die gegenwärtige Situation analysiert und eine Reihe von Empfehlungen gibt, wie die Journalistengewerkschaften in der Ukraine unterstützt werden können. Er stellte seinen Report während des Jahrestreffens in Moskau vor; seine Empfehlungen wurden von der Versammlung begrüßt und verabschiedet. (Weiterlesen)

Facelift für die EJF-Website

Auf dem Jahtrestreffen in Moskau hat die EJF auch ihre neue Internetpräsenz vorgestellt. Ziel ist die Stärkung der Kommunikation und eine Verbesserung der Sichtbarkeit der EJF-Arbeit sowie der Aktivitäten ihrer Mitgliedsverbände. Eine französische Version der Website wird zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt.
 
Besuchen Sie unsere neue Website unter www.europeanjournalists.org . Kommentare, Kritik und Verbesserungsvorschläge sind jederzeit willkommen und können per Mail an Yuk Lan Wong yuklan.wong@ifj.org weitergegeben werden.
AUS AKTUELLEN ARTIKELN 

Moskau – eine unerwartete Reise

 


Von Roman Berger 

Der Schweizer Journalist und Autor Roman Berger blickt auf seine Reise nach Moskau zum EJF-Jahrestreffen zurück und sieht den Kampf, den Journalisten und ihre Gewerkschaften für ihre Unabhängigkeit in Ländern wie Russland führen müssen, wo der Staat alles kontrolliert. „Moskau ist keine Medienwüste, wo es ausschließlich regierungsfreundliche Medien gibt“ – so Bergers Schlußfolgerung.
 
Der Vertreter aus Estland, Meelis Suld, fasste die Gründe für seine Teilnahme beim EJF-Jahrestreffen folgendermaßen zusammen: “Erst als ich nach einiger Recherche herausfand, das die Russische Journalistengewerkschaft (RUJ) eine kritische Organisation ist, war mein Verband bereit, mich als Delegierten nach Moskau zu entsenden.“
 
In der Tat war die Entscheidung der EJF ihr Jahrestreffen in Moskau unter dem Motto „Journalismus in Zeiten des Konflikts“ (Journalism in times of conflict) abzuhalten, eine schwierige. Das führte auch dazu, dass sich einige Mitgliedsgewerkschaften entschieden hatten, aus Protest an Putins Ukraine-Politik nicht an dem Treffen teilzunehmen.  Andere Mitgliedsverbände stellten sich die Frage, wie unabhängig eine Journalistengewerkschaft in einer ehemaligen Sowjet-Republik sein kann, wo Gewerkschaften dazu neigten, sich auf den Staat zu verlassen. Und wo die Rechte von (Mit)Arbeitern nicht ausreichend vertreten würden. (Der komplette Artikel kann auf Englisch oder Deutsch hier nachgelesen werden.)

Warum es ein Ende der Straffreiheit geben, die Sicherheit von Journalisten garantiert und die Medienethik verbessert werden muss


Von Dunja Mijatović
 
Dunja Mijatović, die OSZE-Medienbeauftragte, hielt beim EJF-Jahrestreffen die Auftaktrede (keynote speech) und drückte darin ihre Unterstützung für einen ethischen und unabhängigen Journalismus in Russland aus. Sie hob die prekäre Lage der Journalisten und übrigen Beschäftigten in der Medienbranche hervor.
 
„Journalismus ist eine wichtige Profession. Sie kann als Fähigkeit, als Talent und sogar als eine Leidenschaft gesehen werden. Eine Passion, die Wahrheit zu berichten, zu informieren, andere zu erreichen und Nachrichten über alle denkbaren Plattformen zu kommunizieren. Warum also wird diese Leidenschaft, diese Passion und die Profession so heftig angegriffen, herausgefordert und als so kontrovers wahrgenommen?“
 
“Die russischen Medien haben einen erheblichen Bedarf zur Selbstprüfung. Es gibt ein Bedürfnis, den Journalismus von Angst zu befreien, von Propaganda, von Routine und Frustration. In Abwesenheit eines kritischen Journalismus leidet die Demokratie und absichtliche Desinformation wird zum Standard.“
 
“ Es gibt keine Demokratie ohne professionellen, couragierten und investigativen Journalismus; und es gibt keine Zukunft ohne Demokratie.“  (Lesen Sie die ganze Rede hier)
 

FOTOGALERIE 

Sehen Sie sich weitere Bilder auf unserer Website an:
(Fotos von: RUJ/Alexander Vorobyev, EFJ/Yuk Lan Wong)
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Chefredaktion (V.i.s.d.P.) :
Ricardo Gutiérrez

Redaktion:
Yuk Lan Wong


Gastbeitrag von Roman berger

Ãœbersetzung : Andreas K. Bittner