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Der Ticker kommt heute von @akaer

Die Vermessung des Menschen

Nice one, Twitter und Facebook: Twitter und Facebook haben eine Propagandakampagne gegen die Hongkonger Demonstranten aufgedeckt. Twitter, das den Fall auch an Facebook meldete (schön, dass es dafür Kanäle gibt!) hat fast 1000 aktive Konten gesperrt (+ nochmal 200.000 Spam-Accounts), bei Facebook waren es nur eine Handvoll Profile und Seiten. Die offenbar vom chinesischen Festland aus gesteuerte Kampagne hat nun auch Folgen für staatliche chinesische Medien: von denen lässt Twitter ab sofort keine Werbung mehr zu. süddeutsche

Nochmal Twitter, nicht so nice: Twitter löscht grundsätzlich Tweets, die falsche Informationen zum Wahlvorgang verbreiten - egal, ob sie erkennbar Satire sind oder nicht. Das hat der Konzern bei einer Anhörung vor dem Bundestag bestätigt. Stimmt der Nutzer der Löschung des Tweets nicht zu, wird auch gleich der ganze Account gesperrt. Damit bricht Twitter jedoch deutsche Regeln und Gesetze zur Meinungsfreiheit, findet (nicht nur) Tom Hillenbrand. Sein Account ist seit Mai wegen eines solchen "wahlgefährdenden" Tweets gesperrt, wogegen er erfolgreich vor dem Landgericht München geklagt hat. Twitter muckst sich bisher nicht. süddeutsche

Nochmal Facebook, auch eher deprimierend: Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat die vielbeachteten Anordnungen des Bundeskartellamts gegen Facebook ausgesetzt. Es verweist auf das laufende gerichtliche Verfahren, bezieht aber auch selbst in einem Papier Stellung pro Facebook: demnach bezweifelt das OLG, das eine Verletzung des Wettberwerbsrecht vorliegt, und auch das Facebook durch die Vernetzung seiner Dienste gegen den Datenschutz verstößt. Netzpolitiks Ingo Dachwitz dazu: "In beiden Punkten lässt das Gericht mit einem erstaunlichen Tunnelblick die jahrelangen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurse über die soziale und wirtschaftliche Macht von Daten außer Acht." netzpolitik

Menschvermessung durch vermessene KI, die Erste: Amazons Gesichtserkennungssoftware Rekognition (die schonmal Haue bekommen hat, weil sie viel schlechter bei schwarzen Gesichtern funktioniert als bei weißen, was sich wieder in die lange Reihe an Beispielen einreiht wie Algorithmen diskriminieren können einfach weil die Programmierer selbst privilegiert + weiß + selbstgefällig sind... wo waren wir?) kann nun angeblich auch Angst erkennen (und noch sieben weitere Emotionen). Amazon ignoriert dabei völlig, dass diverse Studien und Experten die zuverlässige Erkennung von Emotionen rein aus der Mimik für Schwachsinn halten. Rumman Chowdhury bringt es auf den Punkt: "The situation is an example of the industry not pausing to think through the limitations of its technology." Rekognition wird übrigens von der Polizei in den USA genutzt. wired

Menschvermessung durch vermessene KI, die Zweite: "Sentiment Analysis" heißt es, wenn KI-Systeme positive oder negative Begriffe (zum Beispiel in Textmitteilungen, Social Media Posts...) erkennen wollen. Das ist nur ein Teil von "Affective Computing", dem Sammelbegriff für alle Arten von KI, die Gefühle erkennen und, wie es die Spiegel Redakteurin so schön beschreibt, das menschliche Verhalten vermessen sollen. Die potentielle Fehlerquote ist irre, denn menschliche Gefühle sind schon noch ein bisschen komplexer. Das hält aber weder das US-Heimatschutzministerium noch Polizeibehörden in Europa bei ihren Ideen und Plänen auf, solche Systeme zur "Erkennung" von Terroristen und anderem menschlichen Ungemachbereitern einzusetzen. Wie schon oben beschrieben: die Konzerne selbst überschätzen ihre Technologie gewaltig, die Kunden sind gierig und denken die Sache nicht durch. Die Risiken und Nebenwirkungen erklärt kein netter Apotheker, tragen darf sie die ganze Gesellschaft. spon
Wir freuen uns sehr, denn die d64 Reihe Female Footprints geht in die nächste Runde! Den Anfang macht am Mittwoch den 28.08.2019 Henrike Schlottmann, die uns etwas über ihre Arbeit als Head of Innovation bei ProjectTogether erzählen wird. Los geht's um 19 Uhr im betahaus Kreuzberg.
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Hinweis: Wir haben die Quoten von Vortragenden der Veranstaltungen manuell gezählt. Basis dafür sind die von den Veranstaltenden veröffentlichten Programme oder Speakenden-Listen. Wir zählen pro Veranstaltung jeden Kopf genau einmal, also auch dann nur einmal, wenn dieselbe Person mehrfach spricht. Details dazu findet Ihr in diesem Spreadsheet.
 
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